Die Kunst der Franziskaner und der Dominikaner im 13. und 14. Jahrhundert in Italien ist seit langem ein wichtiges Thema der Kunstgeschichte. Der 1254 von der Kurie gegründete Bettelorden der Augustiner-Eremiten fand bisher kaum Beachtung, weil sich mit ihm kein
berühmter Künstlername verbinden läßt und die bedeutendsten Kirchen aus seiner Frühzeit in der Renaissance oder im Barock grundlegend verändert wurden. Anhand einer Gruppe von Fresken, die sich mit Hilfe von Miniaturen rekonstruieren lassen, kann nun demonstriert werden, daß die Augustiner-Eremiten in ihren Kirchen eine systematische Bildpropaganda betrieben haben. Die monumentale Allegorie des Wissens
und das Bild des Ordenslehrers Augustinus zeugen von der Gelehrsamkeit des Ordens und propagieren den Einsatz wissenschaftlicher Argumente im Kampf gegen Häretiker. Das Programmbild der Augustiner-Eremiten wurde in dem sogenannten "Triumph des Thomas von Aquin" in der Spanischen Kapelle in Santa Maria Novella in Florenz von den Dominikanern übernommen. Nicht bei ihnen entstand also die Bildidee, wie man bisher annahm, sondern bei den Augustiner-Eremiten. Die monumentale Allegorie, die nach Art mnemotechnischer Schemata aufgebaut ist, wird strukturell und ikonographisch eingehend analysiert und in den kulturellen Kontext der Augustiner-Eremiten, der Rechtsgelehrten und frühen Humanisten eingeordnet.

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